Wildkatze - Botschafterin der Wildnis

Wer hat schon das Glück, einer Wildkatze oder einem Luchs in die Augen schauen zu können!? Im Wildnisgelände des Umweltzentrums Schloss Wiesenfelden ist dies möglich. Hier wurde 1984 eine Wildkatzenzuchtstation errichtet, die Urzelle eines Projekts des Bund Naturschutz zur Wiederansiedlung der Wildkatze in Bayern. Inzwischen werden nach Abschluss des Projektes keine Wildkatzen mehr ausgewildert.

Im Jahr 2002 wurde ein modernes Gehege für zwei Luchse hinzugefügt.
Die Wildkatzen wie auch die Luchse dienen inzwischen als „Botschafter für die Wildnis“ in der naturpädagogischen Arbeit des Umweltzentrums Schloss Wiesenfelden und sind die heimlichen Stars im Wildnisgelände. Es ist immer wieder eine schöne Erfahrung, wie faszinierend das Beobachten dieser seltenen einheimischen Wildtiere für Kinder als auch für Erwachsene ist.

Wildkatzen und Hauskatzen sind Verwandte. Doch die Europäische Wildkatze ist eine eigene Art und nicht etwa eine verwilderte Hauskatze, wie viele meinen. Die Hauskatzen stammen vielmehr von der afrikanischen Falbkatze ab.

Kenner sehen auf einen Blick den Unterschied zwischen Wildkatze und Hauskatze: Die Wildkatze hat einen gedrungenen Körperbau, einen wuchtigen Kopf mit breitem Schnauzenteil, kräftige weiße Schnurr- und Tasthaare und einen buschigen Schwanz mit dunklen Ringen; das Näschen ist hell fleischfarben.

Die Wildkatzen paaren sich einmal im Jahr in der Zeit von Mitte Februar bis März . Im Unterschied zu ihr hat die Hauskatze zwei Würfe im Jahr. Nach einer Tragzeit von durchschnittlich 63 Tagen - bei Hauskatze sind es 58 Tage - bringen die Wildkatzen zwei bis vier Junge zur Welt; die Hauskatze dagegen vier bis sechs. Als mögliches Höchstalter nimmt man etwa 12 Jahre an.

Noch vor 150 Jahren war die Wildkatze in Deutschland noch weit verbreitet. Durch jagdliche Verfolgung und durch eine gezielte Aufforstung der bis dahin aufgelockerten Wälder war sie fast nahezu verschwunden. Nur noch Restbestände im Harz, Hunsrück, Pfälzer Wald und in der Eifel waren vorhanden.

Die geheimnisvollen Wildtiere leben am liebsten unbeobachtet ihr heimliches Leben abseits der Zivilisation. Wildkatzen lieben die Sonne, mögen gerne lockere Mischwälder, jagen auf großen Waldwiesen und schleichen sich auf leisten Pfoten zwischen Gebüsch, Reisighäufen und hohlen Baumstämmen herum. Darum hält sie sich gerne in lichten Wäldern wie im Spessart, Steigerwald oder im Jura auf.

Vor allem frisst sie Mäuse (60 Prozent der Nahrung), aber auch Vögel und größere Kleinsäuger wie Maulwürfe, Bisam, Ratten, Kaninchen und Eichhörnchen. So manche Wildkatze ist ein Wasserfan, und da wird auch schon mal ein Fisch mitgenommen.

Dank des Wiederansiedlungsprojekts des Bundes Naturschutz in Bayern leben inzwischen wieder etwa 500 Wildkatzen in Bayern - eine Wiedergutmachung an einer zu Unrecht verfolgten Tierart. Leider fallen viele dem Verkehr zum Opfer.

Der Luchs - Auf leisen Pfoten durch den Wald

Die Wahrscheinlichkeit, in freier Wildbahn auf einen Luchs zu stoßen, ist sehr gering. Zur Sympathiewerbung für diese wunderschöne Wildtierart leben derzeit zwei Luchse, die Luchsdame Lena und der Kuder Carl, in einem Gehege in Wiesenfelden. Wer einmal den geschmeidigen Gang dieser großen Katzen mit ihren seltsamen Pinselohren beobachten konnte, ist beeindruckt von der Anmut dieser sonst verborgen lebenden Waldtiere.

Der einzelgängerisch lebende Luchs beansprucht ein Gebiet von durchschnittlich 100 Quadratkilometern. In den grenznahen weiten Wäldern des Inneren Bayerischen Waldes fühlt er sich deshalb besonders wohl.

Die Luchse wurden vor etwa 150 Jahren in ganz Deutschland ausgerottet. Leider sehen viele Jäger im Luchs immer noch einen Beutekonkurrent, weil er sich vor allem von Rehen ernährt. In den 70er Jahren wurden 18 Luchse im Bereich des heutigen tschechischen Nationalparks „Sumava“ freigelassen. Sie bildeten den Grundstock für die heutige Luchspopulation im bayerisch-böhmischen Grenzgebirge. Inzwischen leben ca. 30 Luchse in diesem Gebiet. 

Es liegt an uns Menschen, wie viel Akzeptanz und Spielraum diesem seltenen heimischen Wildtier zugebilligt wird. Was ist uns also der kleine Bruder des „bayerischen Löwen“ wert?

Besonders der Naturpark Bayerischer Wald hat sich in den letzten Jahren durch ein Forschungsprojekt und durch Publikationen um den Luchs verdient gemacht.

(siehe Broschüre „Ich der Luchs - geheimnisvolle Waldkatze“, 1998, herausgegeben vom Naturpark Bayerischer Wald)